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Die Eurasische Idee: Ein Weg zur multipolaren Weltordnung

Die Idee einer westlich dominierten, unipolaren Welt ist nichts weiter als ein ambitioniertes Projekt, ein Plan oder gar ein «Trend». Die Idee ist außerordentlich gefährlich, aber sie ist keineswegs von Erfolg gekrönt. Überall in der Welt wird Widerstand geleistet – sogar im westlichen Machtbereich selbst, in Europa, erstarken jene Bewegungen, die sich dieser westlich-liberalen Idee nicht unterordnen wollen. Diesem unipolaren Konzept stellen wir das entgegen, was wir die «Eurasische Idee» nennen: Diese Idee orientiert sich nicht – auch wenn der Name dies zunächst vermuten lässt – streng an geografischen Grenzen. Die Eurasische Idee bietet ein Alternativkonzept zur Globalisierung, das für die Welt verschiedene globale Zonen (Pole) vorsieht – im Gegensatz zum unipolaren Weltbild des liberalen Westens ist es also ein multipolares System.

Ein Krieg gegen Teheran würde eine direkte militärische Beteiligung Russlands und Chinas bedeuten.

Was ginge verloren, wenn Heidegger aus dem philosophischen Gedächtnis verschwände

In der Ideengeschichte gibt es Tötungen, Schlachtungen und den Ausruf der „damnatio memoriae“ seit jeher. Auch die Vatermorde durchziehen sie. Selten aber sind sie dauerhaft erfolgreich. Auch der schwächste, oder reduzierteste Gedanke, so dekretierte Adorno einmal, kann nicht ungedacht gemacht werden. Und Rousseau wusste schon: Bei allem, was einmal gedacht wurde, muss sich auch wieder etwas denken lassen.
Der Regelfall sind allerdings nicht die großen Verdammungen, sondern schleichende, mit Karriere- und Modegründen erkaufte Paradigmenwechsel im akademischen Raum, die mit dem Aufkommen eines neuen Leitfossils ältere und vermeintlich weniger attraktive Denkformen und ihre Exponenten verblassen lassen. Sie werden dann nicht mehr gelehrt und zitiert. Damit ist ihr Glanz rasch vorbei, und alle die epigonalen Arbeiten, die von diesem Glanz zehrten, wirken nach wenigen Jahren müde und abgestanden. So ging es innerhalb einiger  Jahrzehnte Marx und den verschiedenen Spielarten des Neomarxismus, so ging es der Leitwährung der siebziger Jahre, den soziologisch-sozialwissenschaftlichen Deutungsmustern- und nicht zuletzt ging es der Systemtheorie und den zeitweise extrem faszinierenden, alles verändernden französischen Differenzphilosophien sechziger und siebziger Jahre nicht anders.

Die Grundlagen „Internationaler Politik"

Heute sprechen viele Politiker und Journalisten über„Internationale Beziehungen". Man könnte fast von einer Art Mode sprechen, die wieder en vogue ist. Während der Zeit der Blockkonfrontation des Kalten Krieges schienen Internationale Beziehungen das Vorrecht von Washington und Moskau. In der bipolaren Konkurrenz zwischen dem westlich-liberalen Block (NATO) auf der einen und der kommunistischen Sphäre (Warschauer Pakt) auf der anderen Seite war der Handlungsspielraum speziell Europas eingeschränkt, man könnte sogar sagen: gelähmt.
Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu Beginn der 1990er Jahre hat sich das geändert. Eine Vielzahl von Konfliktzonen stand - für viele westliche als auch östliche Beobachter „plötzlich" - in Flammen: Es kamen der Zusammenbruch und der Krieg im früheren Jugoslawien in den 1990er Jahren, die Tschetschenienkriege, der Krieg gegen Serbien 1999 mit der Abtrennung der Kosovoprovinz vom serbischen Mutterland, die Kriege gegen Afghanistan und den Irak, der Georgienkrieg und die immer wieder aufflammenden bewaffneten Konflikte in Nahost. Diese Waffengänge überraschten all jene, die tatsächlich glaubten, mit dem Ende des Kalten Krieges trete die Welt in ein Stadium der unipolaren Stabilität ein.

COUNTER-HEGEMONY IN THE THEORY OF THE MULTIPOLAR WORLD

Although the concept of hegemony in Critical Theory is based on Antonio Gramsci’s theory, it is necessary to distinguish this concept’s position on Gramscianism and neo-Gramscianism from how it is understood in the realist and neo-realist schools of IR.

The classical realists use the term “hegemony” in a relative sense and understand it as the “actual and substantial superiority of the potential power of any state over the potential of another one, often neighboring countries.” Hegemony might be understood as a regional phenomenon, as the determination of whether one or another political entity is considered a “hegemon” depends on scale. Thucydides introduced the term itself when he spoke of Athens and Sparta as the hegemons of the Peloponnesian War, and classical realism employs this term in the same way to this day. Such an understanding of hegemony can be described as “strategic” or “relative.”

In neo-realism, “hegemony” is understood in a global (structural) context. The main difference from classical realism lies in that “hegemony” cannot be regarded as a regional phenomenon. It is always a global one. The neorealism of K. Waltz, for example, insists that the balance of two hegemons (in a bipolar world) is the optimal structure of power balance on a world scale[ii]. R. Gilpin believes that hegemony can be combined only with unipolarity, i.e., it is possible for only a single hegemon to exist, this function today being played by the USA.

In both cases, the realists comprehend hegemony as a means of potential correlation between the potentials of different state powers. 

Gramsci's understanding of hegemony is completely different and finds itself in a completely opposite theoretical field. To avoid the misuse of this term in IR, and especially in the TMW, it is necessary to pay attention to Gramsci’s political theory, the context of which is regarded as a major priority in Critical Theory and TMW. Moreover, such an analysis will allows us to more clearly see the conceptual gap between Critical Theory and TMW.

Phönix aus der Asche – Eine Einführung in die vierte politische Theorie

Ein weiterer Schritt könnte der Appell an Tradition und andere prä-moderne Inspirationsquellen, wie z.B. das platonische Staatsideal oder die mittelalterlich hierarchische Gesellschaft und die theologischen Visionen von normativ sozialen und politischen Systemen (christlich, muslimisch, buddhistisch, jüdisch, …), sein. Der Rückgriff auf diese prä-modernen Quellen wären ein immenser Schritt zur Weiterentwicklung der nationalbolschewistischen Synthese. Doch auch eine andere Entwicklung wäre denkbar.

Alexander Dugin – Der postmoderne Antimoderne

Als weltanschaulich schillernder Kopf, dessen Ideen man im Westen aufgrund mangelnder Übersetzungen eher vom Hörensagen als aus eigener Anschauung kennt, übt er eine nachhaltige Faszination auf viele Rechtsintellektuelle aus. Eingeweihte in Deutschland rezipieren das russische Fabeltier schon seit den Neunziger Jahren (etwa durch die damals einzigartigen Russland-Berichte von Wolfgang Strauss in den Staatsbriefen).

Fanatischen „Westlern“ wie Richard Herzinger gilt Dugin seit langem als Vordenker der Mächte des Bösen schlechthin (so spukte er bereits 1995 an der Seite von Alain de Benoist und artverwandten Denkern durch Herzingers Schmöker „Endzeitpropheten – Die Offensive der Antiwestler“).

EURASIEN FÜR DIE POSTMODERNE

Dieser These konnte sich Aleksandr Dugin anschließen. Der Professor an der staatlichen Universität Moskau stellte auf dem Haus der Burschenschaft seine „Vierte Politische Theorie“ vor. Die drei politischen Theorien Liberalismus, Kommunismus und Faschismus hätten sich im letzten Jahrhundert einen harten Kampf um die Vorherschafft geliefert, bei dem der Liberalismus die anderen beiden Systeme geschlagen und vernichtet habe. Daher bedürfe es einer neuen, einer vierten politischen Theorie, die sich gegen den Liberalismus stelle. Diese könne jedoch nicht bloß aus einer Fusion der beiden anderen Konzepte Kommunismus und Faschismus zum Nationalbolschewismus bestehen, sondern müsse einen neuen, anti-​liberalen und anti-​kapitalistischen, aber auch anti-​sozialistischen und anti-​nationalistischen Geist hervorbringen. Eine Rückkehr in die Vor-​Moderne sei ausgeschlossen, so Dugin. 

Gedanken zur Vierten Politischen Theorie

Die offene Ausgestaltung der Vierten Politischen Theorie bietet ausreichend Raum für Interpretationen. Dies ist von Dugin ausdrücklich gewünscht. Manche mögen sagen es ist zu viel Raum. Aber da es das Wesen der Rechten ist kein in sich geschlossenes System entwickeln zu wollen, da die Wirklichkeit zu Komplex ist um sie in ein Schema zu pressen, ist dies eher von Vorteil. Des Weiteren entspricht die partielle Unschärfe auch dem Respekt vor den Unterschieden der von dem Russen skizzierten zivilisatorischen Großräume. 

DUGIN UND HEIDEGGER

Aus diesen Betrachtungen leitet sich ab, dass die Welt multipolar werden muss und die unipolare Hegemonie des Amerikanismus abschütteln sollte. Ja, sie muss die Kultur der „Fremdbestimmung des Daseins“ überwinden, wenn sie die „connection to the roots of …being“ wiederfinden will. Hier erscheint auch wieder die Vision Eurasien, wenn die Forderung nach dem Schmittschen „Großraum“ auftaucht. In diesen Großräumen könnten sich die Kulturen souverän selbständig organisieren, verteilt auf die Kontinente, fern aber von jedem Imperialismus.

DUGINS „VIERTE POLITISCHE THEORIE“

Diese Erste politische Theorie ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass sie das Individuum zum Subjekt der Geschichte macht. Alles andere spielt für sie keine relevante Rolle und wird nur von der Warte des Einzelnen betrachtet. Da es dem Liberalismus aber immer nur um den Einzelnen geht, steht er allen Dingen, die den Einzelnen einschränken könnten, ausgesprochen kritisch gegenüber. Der liberale Grundgedanke, sich von gesetzlicher Ungleichbehandlung und wirtschaftlichen Schranken zu befreien, wurde in moderner Zeit schließlich zum Kampf gegen Migrationsbarrieren, die traditionelle Familie und soziale Verantwortung. Der Grundgedanke ist dabei immer derselbe: Der Einzelne solle möglichstkeinen Zwängen unterliegen und in seinen Entscheidung keinesfalls eingeschränkt werden.

Der lange Weg

War ich während der Sowjetzeit Antikommunist, so änderte sich meine Meinung angesichts der liberalen Revolte im Jahr 1991, die ich als noch schlechter als den Sozialismus einschätzte. Das Ergebnis dieser Analyse war die erste grundlegende Veränderung meiner Weltsicht: ich ließ vom Anti-Kommunismus ab und konzentrierte mich auf den Anti-Liberalismus, da ich den Liberalismus als den Hauptfeind und die letzte Inkarnation des Geistes der Moderne ansah, die ich schon immer als das absolute Böse (im Sinne von Guenon und Evola) ansah. Der Sieg des Liberalismus über den Kommunismus war in meinen Augen der Beweis seiner eschatologischen Natur. ich habe mich daher vom klassischen, eher rechts orientierten Traditionalismus ab- und einem linken Traditionalismus zugewandt, den einige auch als National-Bolschewismus bezeichnen. Dabei ging es ging mir in Wirklichkeit nicht um Kommunismus oder Bolschewismus. Mir ging es immer und geht es auch heute noch um eine totale Ablehnung des Liberalismus, den ich als jene Ideologie empfand, die sich bei ihrem Kampf gegen Kommunisten und Faschisten als konsequent modern, ja als identisch mit dem Wesen der Moderne erwies.

Warum eine 4. Politische Theorie?

Der russische Vordenker Alexander Dugin ist nicht nur enger Berater des russischen Präsidenten Putin, sondern gilt auch vielen neuen Strömungen (wie etwa den Identitären) als geistiger Ahnherr. Mediale Bekanntheit erlangte er in Österreich durch sein erst kürzlich in Wien stattgefundenes Treffen mit sog. „Rechtsparteien“ aus Europa, darunter auch HC Strache von der FPÖ. Dugin hat sich zum Ziel gesetzt eine „4. politische Theorie“ zu entwickeln, abseits der laut seiner Meinung nach historisch gescheiterten Theorien des Kommunismus, Faschismus, Liberalismus. 

Konflikte der Zukunft

In seinem Buch “Konflikte der Zukunft” formuliert Dugin seine Theorie der Multipolaren Welt ausgehend von einer Kritik der Internationalen Beziehungen:

Hierbei geht er zunächst von der sachlichen Vorstellung aus, dass bereits heute eine faktische Ungleichheit zwischen den Nationalstaaten herrscht, das insbesondere bei der US amerikanischen Invasion des Iraks 2003 offensichtlich wurde, als die USA ohne Mandat des UN-Sicherheitsrates dort einfiel. Die Souveränität der Nationalstaaten existiert also nur auf dem Papier – de facto sind sie aber nicht souverän, da sie nicht in der Lage sind sich gegen die Angriffe des Hegemons zu verteidigen, selbst wenn sie sich zu größeren Koalitionen zusammenschließen.

Davon ausgehend betont Dugin die Notwendigkeit, dass sich auf der Welt neue Machtpole herausbilden um dem westlichen Willen zur Macht (d.h. dem Universalismus von Menschenrechts- und Demokratieexport mittels Feuer und Schwert) Einhalt zu gebieten.

"Jeder Westler ist ein Rassist"

SPIEGEL: Wenn Putin sagt, Russland müsse nicht nur überall die ethnischen Russen schützen, sondern alle, die sich der russischen Welt zugehörig fühlen, dann ist er doch ganz nah bei Ihnen. Auch er stemmt sich gegen eine amerikanische Hegemonie. Andererseits sagen Sie, Putin glaube an keine Idee. Kommt er dem Westen immer noch zu sehr entgegen?

Dugin: Ja, natürlich. Er ist eine gespaltene Persönlichkeit. Es gibt den lunaren und den solaren Putin, wie ich ihn nenne. Der solare Putin ist der Putin, wie ich ihn sehen möchte. Der lunare aber betrachtet die Welt aus der Perspektive von Verträgen, Kooperationen, Gaslieferungen. Das ist der Pragmatiker. Zwischen beiden gibt es einen Konflikt. Putin ist eine zutiefst gespaltene Person: zuerst die Annexion der Krim – und danach Schritt für Schritt in die Gegenrichtung. Er hat beim Geheimdienst gearbeitet – vielleicht sagt er des- wegen immer genau das Gegenteil von dem, was er meint.

Der Krieg gegen Rußland in seiner ideologischen Dimension

Der Krieg gegen Rußland ist die derzeit meistdikutierte Angelegenheit im Westen. Noch ist er Vorschlag und Möglichkeit. Er kann Wirklichkeit werden, abhängig von den Entscheidungen aller im ukrainischen Konflikt Beteiligten – Moskau, Washington, Kiew, Brüssel. Ich möchte hier nicht alle Aspekte und die Geschichte dieses Konflikts diskutieren. Stattdessen schlage ich eine Analyse seiner tiefen ideologischen Wurzeln vor. Meine Sicht der wesentlichen Ereignisse basiert auf der Vierten Politischen Theorie, deren Prinzipien ich in meinem gleichnamigen Buch beschrieben habe, welches vor einigen Jahren im Verlagshaus Arktos auf Englisch erschienen ist.

So werde ich den Krieg des Westens mit Rußland nicht bezüglich seiner Risiken, Gefahren, Probleme, Kosten oder Konsequenzen untersuchen, sondern seine ideologische Bedeutung im globalen Maßstab. Ich werde über den Sinn eines solchen Krieges nachdenken, nicht über den Krieg selbst, real oder virtuell.

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